Die Leondinger Umweltstadträtin Steffi Thaler betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Simon den Miesenbergerhof in Bergham. Im Interview verrät sie, wie sich die aktuelle Hitze auf ihre Arbeit und die Landwirtschaft in Leonding auswirkt.
Wir erleben aktuell wieder extreme Rekordtemperaturen. Wie macht sich diese extreme Hitze und Trockenheit ganz konkret im Moment auf deinen Feldern und bei der täglichen Arbeit hier in Leonding bemerkbar?
Bei meiner täglichen Arbeit macht sich das vor allem an der Arbeitszeit bemerkbar. Wir sind aktuell zu zweit und haben eine Teilzeitkraft fürs Feld angestellt. Wir fangen um spätestens 5 Uhr mit der Arbeit an. Und ab dann heißt es dann schnell sein. Denn es muss alles durchgeerntet werden. Wer schneller ist beim Jäten, kann früher in den Schatten. Und dann heißt es Wasser, Wasser, Wasser. Konkret bewässern für die Pflanzen mit feiner Sprühberegnung oder Tropfschläuchen. Und selber sollte man auch ausreichend trinken. Da ich aber auch noch Kinder hab, ist es nix mit der oft zitierten Siesta. Durch die Dauer der Hitzephase ist es sehr kräftezehrend. Aber da gehöre ich nicht zur einzigen Berufsgruppe, bei uns im Gewächshaus kriegt es leider oft über 40 Grad, aber Straßen- oder Dacharbeiten sind sicher oft noch viel heißer.
Leonding und das Linzer Becken haben ja oft ganz eigene mikroklimatische Bedingungen. Wie gut stecken die hiesigen Böden diese anhaltende Hitzeperiode weg, und ab wann wird der Wassermangel für Ihre Kulturen kritisch?
Also für Kartoffeln – eine unserer Hauptkulturen – fängt es schon ab 25 Grad an. Ab 30 Grad stellen sie das Wachstum ein. Generell kann man sagen, dass derart heiße Temperaturen fast alle Kulturen stressen, das heißt Schädlinge und Krankheiten können besser in die Zellen eindringen. Durch die verkürzten Winter haben Schädlinge die Möglichkeit, sich öfters zu vermehren (mehrmals pro Jahr). Es kommen auch neue Schädlinge nach Österreich: zum Beispiel diverse Zikadenarten oder die Reiswanze.
Wassermangel kann in unserer Region ganz gut abgefedert werden, weil wir derart gute Böden haben. Schaut man ein kleines Stück weiter, Richtung Welser Heide, wird es vermutlich bald die ersten Totalausfälle geben.
Die Klimakrise ist längst kein Zukunftsszenario mehr. Wie sehr zehrt diese ständige Ungewissheit – sowohl finanziell als auch mental – an dir und deinem Betrieb?
Durch die Bewässerungsmöglichkeit können wir das Risiko etwas abfedern. Aber es entstehen laufend neue Kosten, wir mussten in den letzten Jahren viel Geld in die Gemüsekühlung investieren und jetzt werden wir uns auch für die Gewächshäuser eine Möglichkeit zur Kühlung durch Überkopfbewässerung überlegen müssen. Mental ist es für mich nicht so schlimm, aber es gibt sicher andere Betriebe, da geht es ans finanzielle Existenzminimum.
Wenn du auf die nächsten 5 bis 10 Jahre blicken: Glaubst du, dass die traditionelle Landwirtschaft, wie wir sie in Oberösterreich kennen, hier in Leonding überhaupt noch eine Zukunft hat?
Ich glaube, dass sich in der Landwirtschaft schon sehr viel ändern wird und muss. Ich denke nur, dass der Zeitraum, in dem das passieren wird, ist ein bisserl größer. Auch für unsere Branche sind die Arbeitskosten der höchste Posten. Robotik ist vor allem hier ein Riesenthema, ebenso wie GPS-gesteuerte Systeme. Vermutlich werden kleinere Betriebe noch stärker aus dem Markt gedrängt werden.
Aus meiner Wahrnehmung heraus sind große Betriebe auch stärker abhängig von großen Märkten, können aber günstiger anbieten. Ich sehe hier die hauptsächliche Frage darin, welche Art der Landwirtschaft wir gesellschaftlich wollen. Es muss halt ins Bewusstsein kommen, dass Landwirtschaft ein Beruf und kein Hobby ist. Das heißt: Die Arbeitsstunden müssen bewältigbar sein und es müssen Einkommen rausschauen, die Familien ernähren können. Aus unserer Branche kommt oft die Forderung, weg von der Flächenförderung zu kommen und hin zur Arbeitskraftförderung, das kann ich nur unterstützen.
Viele Landwirte müssen extrem flexibel reagieren. Welche konkreten Maßnahmen habt ihr bereits ergriffen?
Die Bewässerung wird ständig ausgebaut und verfeinert. Das bedeutet einerseits alle Flächen gut zu versorgen, gleichzeitig aber auch sparsam und effizient mit dem Wasser umzugehen. Es ist wichtig alle Pflanzen gleich gut zu bewässern – von der ersten bis zur letzten Reihe. Das ist im Freiland bei Wind nicht immer einfach. Von den Sorten haben wir noch nicht besonders viele verändert. Aber es kommen neue Gemüsekulturen dazu. Zum Beispiel haben wir seit letztem Jahr den wärmeliebenden Ingwer im Sortiment, andere Betriebe experimentieren mit Erdnüssen. Grundsätzlich muss man sagen, dass sich zwar einerseits neue Möglichkeiten eröffnen, aber was sich jetzt gerade darstellt, sicher kein Wunschszenario ist.
Häufig wird der Druck auf die Landwirtschaft abgewälzt. Was wünscht man sich als Landwirtin hier am dringendsten – einerseits von der (lokalen) Politik, andererseits aber auch von den Konsumentinnen und Konsumenten direkt vor der Haustür?
Auf einer Lokalpolitischen Ebene ist gute Kommunikation auf Augenhöhe eine wichtige Basis, hier gilt es seitens der Landwirtschaft immer wieder auf städtebauliche Bedürfnisse einzugehen bzw. eingehen zu müssen.
Im größeren politischen Kontext ist festzustellen, dass wir nur eine Erde haben und von der ist nur ein kleiner Teil landwirtschaftlich produktiv. Und diese Flächen werden voraussichtlich weniger. Wir können das nachhaltig oder ausbeuterisch machen. Wir können vor Ort fair produzieren und die Grenzen des Machbaren akzeptieren - oder wir lagern unsere Nahrungsmittelproduktion auf andere Kontinente aus und erweitern die Spielregeln. Und was es heißt, wenn nicht mehr alle Waren frei verfügbar sind, das haben wir in der Coronazeit erlebt. Da im Agrarsektor ein großer Teil der Politik in Brüssel passiert, müssen vor allem dort Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit ein Großteil der Lebensmittel für die hier lebende Bevölkerung lokal produziert wird. Was passiert, wenn man zu viel auslagert erlebt man gerade im Pharmabereich. Das darf uns bei unseren Lebensmitteln nicht passieren.