Manchmal, wenn ich mir Fotos aus meiner Kindheit anschaue, dann krieg ich das Gefühl, dass sie eigentlich schwarz-weiß sein müssten. Denn viele meiner Erlebnisse teile ich mit Personen, die älter sind als ich.
Als mein Großvater noch lebte (er verstarb als ich 14 war), gab es bei uns am Bauernhof vier Mahlzeiten am Tag. Drei davon bestanden aus Fleisch, oder das Fleisch, die Wurst oder die Innereien waren Zuspeise.
Hier eine auszugsweise Aufzählung:
Saurüssel, Hirn mit Ei, Saure Leber, Beuschl, Nierdln, Zunge, gekochtes Geselchtes, Bratl, Saufüssl (richtig gelesen), diverse Würste auch, sehr geliebt von mir war die selbstgemachte Blunzn. Fischseitig gab es noch den Karpfen in der Badewanne (da bin ich mir allerdings nicht sicher, ob es meine eigene Erinnerung ist). Dann nicht zu vergessen Reh, Hase und Fasan. Ich war beim Häuten der Hasen dabei und das Reh, von dem träum ich manchmal noch heute. Jenes wurde nämlich vom Jäger Martin über die Schulter direkt in die Speis transportiert, Plane drunter und zwischen den Füssen ein Loch durchs Fleisch gestoßen und dann Mal abhängen. Manchmal traf mich der Anblick etwas unvorbereitet, als ich in der Speis eigentlich nach Süßigkeiten gesucht hab.
Ich kann mich daran erinnern wie ich das Blut für die Blunzn gerührt habe, damit es nicht gestockt ist und wie es gerochen hat, als meine Mutter Hendln selber gerupft hat. Einmal sogar war ich noch bei einer sogenannten Hofschlachtung einer Sau dabei. Wie es fast im ganzen Innenhof gedampft hat, als wir das Schwein in den heißen Bottich gegeben habe.
Wir haben das Fleisch selbst eingesurt, das heißt mit Gewürzen in so eine Art Lake und dann in die Selch zu meiner Oma. Auch diesen Geruch kann ich jederzeit abrufen.
Als ich ein Kind war hatten wir Hasen, Schweine, Rinder und Hühner. Und zeitweise einen eigenen Eber, um die Sauen zuzulassen. In meinem Geburtsjahr waren immerhin noch 8.5% der Berufstätigen in der Landwirtschaft tätig. Es gab noch 40.000 Rinderhalter und 36.000 Schweinehalter in OÖ, 2025 gibt es ca. 50.000 in ganz Österreich und gut 21.000 Schweinehalter. 2026 halten weniger Betriebe insgesamt mehr Tiere.
Jetzt ist das mit Vergangenheit ja immer so eine Sache, oft wünscht man sich da was herbei, was es so ohnehin nie gegeben hat. Ebenso sei erwähnt, dass eine Ernährung, die derart auf tierischen Lebensmittel basiert weder gut für den Körper noch für den Planeten ist.
Aber auch eine Stadt braucht Tierhaltung. Und zwar nicht zur Selbstversorgung, das geht sich bei der Größe Leondings mit Tieren gar nicht aus. Aber eine Stadt braucht Tierhaltung um zu zeigen, was es bedeutet und wie lange es dauert, bis ein Tier geschlachtet wird. Denn wenn das alles aus der Stadt verschwindet, dann ist es nicht mehr sichtbar und Dinge, die unsichtbar werden, die sind uns dann auch oft nicht mehr so wichtig. Wer einmal dabei war, wenn so ein ganzes Tier aufgearbeitet wird, in die Einzelteile zerlegt, verkocht, verpackt, verwurstet, zerlegt, vakuumiert, eingekocht, dem ist es dann echt nimmer „wurscht“ wo sein oder ihr Fleisch herkommt, wie geschlachtet wurde und wie gefüttert und aufgezogen.
Darum ist es wichtig auch in einer Stadt wie Leonding die Möglichkeit Landwirtschaft zu betreiben zu erhalten. Da gehört ganz viel dazu. Kurvenwinkel bei Kreuzungen, Flächenwidmung, Nachbarn, die es mittragen, Konsumenten, die direkt dort einkaufen, …
Aber es profitieren alle davon. Und damit meine ich nicht nur all jene, die regelmäßig Kinder betreuen, und froh sind, wenn sie wo Traktor oder Tiere schauen gehen können. Landwirtschaft schafft auch Landschaftsbilder. Und wie fad wär es, wenn wir nur Häuser, Gärten, Parks und Plätze hätten.
Stefanie betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Simon den Miesenbergerhof in Bergham. Seit Dezember 2023 ist sie Leondinger Umweltstadträtin.